Rote Liste der Süßwasserfische und Rundmäuler Hamburgs
Seit Juli 2026 liegt eine Neue, mittlerweile dritte Fassung der Roten Liste der Süßwasserfische und Rundmäuler Hamburgs vor. Autoren sind Oliver Engler und Sven Mögeltönder-Löwenberg vom Institut für angewandte Ökologie GmbH. Die aktuelle Fassung ist auf der Website der Freien und Hansestadt Hamburg zu finden.
Rote Listen werden in der Regel etwa alle zehn Jahre aktualisiert. Die Rote Liste der Süßwasserfische und Rundmäuler Hamburgs erschien bislang in den Jahren 1991 und 2015; nun liegt die dritte Fassung aus dem Jahr 2026 vor. Rote Listen unterstützen den Arten- und Biotopschutz, dienen als Argumentationshilfe bei umweltrelevanten Planungen und weisen auf bestehenden Forschungsbedarf hin. In Hamburg wurden bislang 1.265 Tierarten in Roten Listen bewertet.
Die dritte Fassung der Roten Liste der Süßwasserfische und Rundmäuler beschreibt die Gefährdungssituation der in den Gewässern des Stadtgebiets der Freien und Hansestadt Hamburg etablierten Fischarten und Rundmäuler. Als Grundlage für die Bewertung wurden die im Artenkataster Hamburg für die Artengruppe „Fische“ verfügbaren Daten bis zum 31.12.2024 herangezogen und anhand der derzeit bundesweit gültigen standardisierten Methodik ausgewertet. Auch Daten vom Anglerverband Hamburg e.V. sind in die Auswertung mit eingeflossen.
Die Gesamtartenliste umfasst 72 Arten, von denen 53 als etabliert beziehungsweise vermutlich etabliert angesehen werden. Von diesen etablierten Arten gelten sechs, darunter beispielsweise die Schwarzmundgrundel (Neogobius melanostomus), als nicht heimisch (Neobiota). Für 47 indigene und archäobiotische Arten wurde daher eine Rote-Liste-Kategorie ermittelt.
Insgesamt werden die beiden Arten Europäischer Stör (Acipenser sturio) und Maifisch (Alosa alosa) als „ausgestorben oder verschollen“ eingestuft. Weitere 16 Arten gelten als bestandsgefährdet, darunter der Lachs (Salmo salar), der als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft wird. Zusammen mit den beiden als „extrem selten“ bewerteten Arten Nase (Chondrostoma nasus) und Kleine Maräne (Coregonus albula) stehen somit insgesamt 20 Arten (42,6 %) auf der Roten Liste. Mit fast 50 % gelten derzeit 23 Arten als ungefährdet; weitere drei Arten stehen auf der Vorwarnliste.
Im Vergleich zur vorherigen Roten Liste ist bei den drei Arten Bachneunauge (Lampetra planeri), Koppe (Cottus gobio) und Nase (Chondrostoma nasus) eine positive Veränderung der Gefährdungskategorie zu verzeichnen. Für 14 Arten ergibt sich dagegen eine negative Veränderung. Hierzu zählen beispielsweise Finte (Alosa fallax), Zope (Ballerus ballerus), Karausche (Carassius carassius), Hasel (Leuciscus leuciscus), Quappe (Lota lota) und Stint (Osmerus eperlanus).
Eine besondere Verantwortung Hamburgs besteht beispielsweise hinsichtlich der Bestandsentwicklung des Stints (Osmerus eperlanus) in der Tideelbe.
Als wesentliche Gefährdungsursachen sind vor allem Gewässerausbau und Unterhaltungsmaßnahmen, Beeinträchtigungen der linearen und lateralen ökologischen Durchgängigkeit, Gewässerverschmutzungen und Feinsedimenteinträge zu nennen. Hinzu kommen die in den vergangenen Jahren verstärkt zu beobachtenden Auswirkungen des Klimawandels, die grundlegende Veränderungen des Abflussgeschehens der Gewässer mit sich bringen.
Quelle: Engler, O. & Mögeltönder-Löwenberg, S. (2026). Rote Liste der Süsswasserfische und Rundmäuler Hamburgs


